Donnerstag, 28. Oktober 2010

Weiteres vom Schneckentöter - eine Leseprobe



Eine bunt gemischte Gesellschaft bereitete sich zum Abmarsch vor, selbst die Alten ließen sich von der Ungeduld der Jugend anstecken und drängten erwartungsvoll zum Aufbruch, um endlich den Frühling persönlich willkommen zu heißen, und um sich zu vergewissern, das „ ihr“ Wald den langen Winter, in dem sie keine Gelegenheit fanden, sich nach seinem Wohlergehen zu erkundigen,  unbeschadet überstand. Kaum war der Wald in Sicht, drückten die Kleinen ihre Körbchen den Erwachsenen in die Hände, um frei und unbeschwert über die Wurzeln alter knorriger Bäume zu klettern und zwischen weichem Moos und den hellgrünen Blättern der Waldanemonen und Winterlingen hin und her zu hüpfen, entdeckten dabei die bunten Eier, die Herr und Frau Osterhase sorgsam unter sprießendem Farn und im dichten Teppich des Waldmeisters fallen gelassen hatten. Nachdem die Körbchen gefüllt waren, brachen die Männer Birken- und Haselnusszweige, um ein wenig vom Zauber des Frühlings mit nach Hause zu nehmen. Singend, lachend  und plaudernd liefen sie über ausgetretene Pfade, sprangen und kletterten über kleine Bäche und zupften auf dem Rückweg das erste  Grün dieses Jahres.  Zu Hause angekommen warfen die Kinder den Hühnern die zarten Blätter in den Stall,
„Ihr sollt auch wissen, das heute Ostern ist!“ und betrachteten zufrieden das eifrige Picken der lebhaften Schar. Als die Kinder ins Haus traten, saß die hungrige Gesellschaft bereits in der Küche und den Kindern erschienen die temperamentvoll geführten Gespräche der Tischgesellschaft ähnlich dem lebhaften Gegacker der Hühner.
Anna stellte die Teller auf das blank polierte Holz des Tisches, reichte das Besteck an Luise und bat es zu verteilen. Im Korb lag frisches Brot, daneben Ostereier in allen Farben. Die Fleischsuppe stand bereit, warm gehalten am Rand des Kohleofens und ihr unverwechselbarer Duft wetteiferte mit dem des warmen Brotes und des frisch gekochten Kaffees.  Das Zimmer, erfüllt vom Wohlgeruch eines Ostertages, die Frische des Waldes vermischt mit dem Kohlefeuer und von 4711 der Frauen ließ voller Zuversicht in eine friedliche Zukunft blicken und auf unbeschwerte Träume hoffen.  Erst die Rauchwolken, die aus den Pfeifen und Zigarren der genüsslich vor sich hin paffenden Männern zur Zimmerdecke stiegen, und nach und nach die satte zufriedene Gesellschaft unter einer Dunstglocke einhüllte, verwandelten die Atmosphäre in die eines ganz gewöhnlichen Sonntages.  

Das Cover der überarbeiteten Fassung die im November 2011 als ebook bei amazon erscheinen wird